Dominik Böhringer

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Ohne Worte zueinander finden

Südkurier, 17. Dezember 2015, Anna-Maria Schneider

Neben dem Café Mondial soll es jetzt auch ein Theater Mondial geben, bei dem Konstanzer allen Alters und aller Herkünfte zusammen Theater spielen sollen.

Planen den Theater-Mondial-Workshop: Der Künstler Dominik Böhringer (links) und Regisseur und Theaterschauspieler Walter Koch wollen Menschen mit unterschiedlichen Biografien zusammen bringen. | Bild: Anna-Maria Schneider

Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Biografie sollen zusammen kommen und Theater spielen. Das ist zumindest der Plan von Dominik Böhringer, Walter Koch und Jennifer Schecker. Als neuer Zweig des Café Mondials wollen sie das Theater Mondial etablieren. „Wir haben keine bestimmte Zielgruppe, jeder soll mitmachen können“, sagt Dominik Böhringer, ein Konstanzer Künstler, der auch eine Theaterausbildung abgeschlossen hat. Ob jetzt Flüchtlinge, Menschen mit geringem Einkommen oder ohne festen Wohnsitz, das Publikum solle gemischt sein, bekräftigt Walter Koch, der seit 30 Jahren Begegnungstheater macht. Jennifer Schecker hat eine Tanz- und Theaterausbildung. Sie drei werden die Workshops leiten.

„Es soll ein Theater ohne Worte sein, welches sich über Bewegung, Musik und Masken erzählt“, sagt Böhringer. Das Konstanzer Kulturbüro unterstützt das Programm, welches im Januar startet soll. Der zweiteilige Workshop, welchen Theater Mondial anbieten möchte, läuft unter dem Motto „Under Cover“. Im Zentrum stehen hier die Arbeit mit dem eigenen Körper und Masken. Vom 13. Januar bis 4. Februar läuft der Kurs „Maskenspiele“, immer mittwochs und am Samstag, 30. Januar, in den Räumen des Iyengar Yoga in der Hussenstraße 10. Die eigentlichen Masken sollen zwischen Freitag, 15. Januar, und Samstag, 30. Januar, im Atelier von Dominik Böhringer hergestellt werden. Höhepunkt und Abschluss dieses Workshops soll am Schmotzigen Dunschtig, dem 4. Februar, im Rahmen der Fasnacht sein.

Um die Teilnahme von sozial schwachen Menschen und Geflüchteten zu ermöglichen, suchen die Organisatoren von Theater Mondial noch Paten und Unterstützer für den Workshop. Aber grundsätzlich könne jeder mitmachen, auch wenn er nur einen kleinen oder gar keinen finanziellen Beitrag leisten könne.

Informationen und Anmeldung unter www.cafe-mondial.org oder per E-Mail theater(at)cafe-mondial.org

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"Kim und Böhringer" Malerei und bildnerische Arbeiten

Rundschau, 22. Oktober 2015, Ulrike Weinert

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Die Zwei mit dem Fass

Südkurier, 22. Juli 2015, Michael Lünstroth

Dominik Böhringer ist bekannt für ungewöhnliche Kunstaktionen. Jetzt wagt er ein neues Projekt - mit dem Obdachlosen Mike F.

Konstanz - Eigentlich, sagt Dominik Böhringer, sei das Grundproblem doch, dass wir heute kaum miteinander redeten. "Wir wissen nichts voneinander und leben aneinander vorbei, jeder in seiner eigenen Hektik gefangen“, sagt der Mann, der in den vergangenen Jahren die Stadt immer mal wieder mit ungewöhnlichen Kunstaktionen überrascht hat. Ab heute versucht er es erneut. Und dieses Mal ist der Künstler auch nicht alleine. Er wird unterstützt von Mike F. einem Konstanzer Obdachlosen. „Wir haben uns bei Café Mondial kennengelernt und dachten, es wäre mal schön, etwas gemeinsam zu machen“, sagt Böhringer. Tatsächlich ist das eine spannende Mischung. Hier der bisweilen eigensinnige Künstler, dort der Obdachlose, der di Stadt auf eine Weise erlebt, wie nur wenige.

„Wir sitzen am Schnetztor an einem Fass und wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen“, erklärt Mike F. Ziel ist es, über aktuelle Themen, aber auch persönliche Nöte und Sorgen zu diskutieren. „Wir sind da und im Prinzip offen für alles“, sagt Mike F. Dabei hätte doch gerade der Obdachlose auch jede Menge zu erzählen. Seit elf Jahren lebt er freiwillig auf der Straße, weil es ihm damals im Beruf einfach zu viel wurde. Er war Bauingenieur und entschied sich bewusst für den Ausstieg. „Ich wollte raus aus dem Hamsterrad“, sagt Mike F. Es ist ihm gelungen. Heute kann man ihm mit seinem Hund und Fahrradanhänger an verschiedenen Orten der Stadt treffen. Mike F. ist ein offener Mensch, sehr höflich und freundlich im Umgang. Vielleicht war es gerade das, was den Künstler Böhringer an dem gemeinsamen Projekt reizte – Mike F. ist ganz anders als man sich gemeinhin einen Obdachlosen vorstellt. Das eröffnet Raum für Fragen und Begegnungen.

Letztlich geht es beiden darum, das gesellschaftliche Gepräch anzuregen. „Viel zu oft tauschen wir nur Standpunkte aus, statt miteinander zu reden“, finden sie. Das wollen sie ändern.

Termin: Die Aktion von Dominik Böhringer und Mike F. läuft vom 22. bis 25. Juli. Jeweils von 15 bis 18 Uhr am Schnetztor

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Konzilzeit hält Bürger auf Trab

Südkurier, 27.April 2015, Claudia Rindt

Das alte Konstanz bewegt die Bürger und die Frage, was während der Papstwahl geschehen ist – und wie die Region aussah.

Bauen für die Gerechtigkeit: Der Künstler Dominik Böhringer (links) lädt beim Aktionstag zum Konziljubiläum ein, der Gerechtigkeit ein Fundament zu setzen. Bei mehr als 50 Aktionen waren Bürger zum Mitmachen und Mitdenken eingeladen. Bild: Claudia Rindt

Die Gerechtigkeit hat gewackelt und drohte zu fallen. Bürger bauten am Münsterplatz an ihrem Fundament. Sie setzten es aus Pappkisten mit den Aufschriften Zivilcourage, Empathie, Mut und Ausgleich zusammen. Auf dem Gebilde thronte die Styroporkugel der Gerechtigkeit und musste ständig von anderen gehalten werden. Als dann einer noch die Kiste mit der Aufschrift „Moral“ anschleppte und ins Fundament einbauen wollte, wirkten alle etwas ratlos. „Wo soll die Moral hin?“, rief der Künstler Dominik Böhringer über den Platz. Ganz nach oben? Oder doch etwas tiefer liegend? „Ich würde die Moral auf den Kopf stellen“, schlug ein Mann vor, und drehte die Kiste. „Die Bauweise ist falsch“, wendete ein anderer ein. Es dauerte eine Weile, bis den Zuschauern einfiel, wie sie das Fundament sichern können. Indem jeder anpackt und eine Kiste stützt. Spielplatz Gerechtigkeit nannte sich diese Station am Münsterplatz im Aktionstag zum Konziljubiläum mit mehr als 50 Programmpunkten. ...

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Aktionstag zum Konziljubiläum

Viele Mitmach-Veranstaltungen im Angebot
Historische Konzilorte können besichtigt werden

Südkurier, 23. April 2015, Michael Lünstroth

Konstanz - Wer sich schon immer gefragt hat, was genau es mit diesem Konzil von Konstanz auf sich hat, hat am Sonntag, 26. April, die Gelegenheit, sich dem Thema anzunähern. In der Zeit von 14 bis 18 Uhr findet dann ein großer Aktionstag rund um das Konzil statt. Exakt ein Jahr nach der großen Auftaktfeier des Konziljubiläums öffnen jetzt wieder ungewöhnliche und sonst nicht so zugängliche historische Konzilorte ihre Türen, wollen Experten unterhaltsam und anschaulich erklären, was bei dem Mittelalter-Konzil in Konstanz wirklich passiert ist, und geben verschiedene Musikgruppen einen Eindruck davon, wie die Musik des 15. Jahrhunderts geklungen hat. Daneben gibt es Führungen, Lesungen und auch Programm für Kinder wie beispielsweise eine digitale Schnitzeljagd auf den Spuren des Konstanzer Konzils. (...)

Damit der Blick nicht nur in die Vergangenheit geht, ist auch ein Künstler wie Dominik Böhringer mit an Bord. Mit seinem von der Stadt geförderten Projekt „Spielplatz Gerechtigkeit“ will er den alten Begriff der Gerechtigkeit neu überdenken. In einer öffentlichen Performance will er das Publikum nach dessen Vorstellungen von Gerechtigkeit befragen. Aus einfachen, mit diesen Zuschreibungen beschriebenen Kartons soll so ein Bild entstehen, das zeigt, was Gerechtigkeit heute eigentlich noch bedeutet. „Ich bin gespannt, was passieren wird. Ich bin offen für alles und freue mich auf die Beteiligung des Publikums“, sagt Böhringer. Die Aufführungen des Künstlers finden im stündlichen Rhythmus von 14 bis 17.30 Uhr am Münsterplatz statt.

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Böhringer zieht eine erste Bilanz

Südkurier 27.11.2014

Seit Monaten tourt der Künstler Dominik Böhringer mit seinem Projekt „Hier und jetzt“ durch die Stadt, um sich die Sorgen und Wünsche der Konstanzer anzuhören. Er trifft die Menschen auf offener Straße oder in seinem Atelier (Wiesenstraße 10a). Am Samstag, 29. November, 19 Uhr, zieht Böhringer im Atelier jetzt eine Bilanz der vergangenen Monate.

Mit Überraschungsgästen will er dann über seine Erfahrungen aus den ersten sieben Monaten des Projektes berichten. Bei „Hier und jetzt…“ will Böhringer mit den Menschen ins Gespräch kommen. „Ich habe gemerkt, dass viele Menschen heute gar keine Träume und Visionen haben. Viele sind mit dem reinen Überleben und dem Halten des Status quo beschäftigt“, sagt Böhringer. Ob er mit einem Gespräch daran etwas ändern kann? „Das weiß ich nicht, aber es ist zumindest ein Anstoß“, hofft der Künstler. Entstanden ist dieses Projekt im Zusammenhang mit dem Konziljubiläum. Damals seien die Menschen nach Konstanz gekommen, um die dringendsten Fragen der damaligen Zeit zu lösen. „Mich interessiert jetzt vor allem: Was sind heute unsere größten Probleme? Und können wir etwas dazu beitragen, sie zu lösen?“, erläutert Dominik Böhringer seine Ursprungsidee

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Konstanzer Visionär

Südkurier, 17. September 2014, Michael Lünstroth

Ein Visionär für Konstanz: Wie ein Künstler die Revolution von innen wagt

Konstanz -  Was bewegt uns heute noch? Mit der Aktion „Hier und jetzt…“ will Dominik Böhringer die Menschen zum Gespräch auffordern. Wie ein kleines Kunstprojekt die Stadt verändern könnte

Ohne Croissants geht erstmal gar nichts. „Probieren Sie die mal, die sind total lecker. Vielleicht die Besten der Stadt“, sagt Dominik Böhringer und zeigt auf einen Teller mit Croissant-Variationen – vom einfachen Buttergebäck bis hin zum süßen Schokoteilchen ist alles dabei. Der 57-Jährige ist Künstler, er weiß zu leben. Dazu gibt es Kaffee klassisch aus der italienischen Cafetiere von der Herdplatte. Automatenschnickschnack ist nicht Böhringers Ding. Auch sonst ist sein Atelier in der Wiesenstraße 10a zwischen Lago und Bodanplatz eher einfach eingerichtet. Klapprige Holzstühle, kalter Betonboden, bisschen Kunst an der Wand. Fertig. Kein unnötiges Chichi, hier herrscht eher Werkstattatmosphäre. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Böhringer einer der derzeit kreativsten Künstler der Stadt ist. Kaum einer fasst den Kunstbegriff so weit wie er. Genregrenzen? Gibt es bei ihm nicht. Alles löst sich auf. Kunst ist Kunst. Punkt.

Was das bedeutet, kann man ganz schön an seinem neuen Projekt beobachten. Ein Projekt, dass die Stadt verändern könnte. Nicht direkt sichtbar, aber doch in den Köpfen der Menschen. „Hier und jetzt…“ heißt es und Böhringer will dabei ins Gespräch kommen mit den Menschen. Über ihre kleinen und großen Sorgen, über das was sie bewegt und auch über das, was sie gerne ändern würden, wenn sie denn könnten. „Ich habe gemerkt, dass viele Menschen heute gar keine Träume und Visionen haben. Viele sind mit dem reinen Überleben und dem Halten des Status quo beschäftigt“, sagt Böhringer. Ob er mit einem Gespräch daran etwas ändern kann? „Das weiß ich nicht, aber es ist zumindest ein Anstoß“, hofft der Künstler. Kaum sagt er es, schiebt er seine Schirmmütze einmal nach rechts, einmal nach links, hält kurz inne, als wisse er selbst nicht so genau, ob die Idee wirklich aufgeht. Aber wenigstens versuchen will er es doch.

Dazu will er in den kommenden Wochen an verschiedenen Orten der Stadt auftauchen und am Tisch und unter seinem Hier-und-jetzt-Schirm zum Austausch einladen. Was dabei heraus kommt, ist immer unterschiedlich. Vorgaben gibt es keine, Böhringer selbst bereitet sich nicht auf die Diskussionen vor. Die Erlebnisse aus seinen Gesprächen will er irgendwann auch für seine Kunst verwenden. In welcher Form ist noch unklar. Aber damit greift er auch auf ein altes Beuyssches Konzept zurück, jenes der sozialen Plastik. Die Theorie der „Sozialen Plastik“ besagt, jeder Mensch könne durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch gestaltend auf die Gesellschaft einwirken. „Warum sollte das nicht auch in Konstanz klappen?“, fragt Böhringer.

Wer ist dieser Mensch, der sich an die Konstanzer Seele wagt? Der Künstler ist 2009 aus Nordrhein-Westfalen an den Bodensee gekommen. Aufgewachsen ist er in Düsseldorf, es folgten später ein Theaterstudium in der Schweiz und einige Tourneen mit Tanz- und Theatergruppen durch Europa. Zur bildenden Kunst kam er 1982 mit ersten Ausstellungen. Gearbeitet hat er schon in Brüssel, Amsterdam und New York. Böhringer ist ein Kosmopolit. Wohl auch deshalb beherrscht er fünf Sprachen. Mit „Hier und jetzt…“ knüpft er jetzt eher wieder an seine theatralen Arbeiten an.

Entstanden ist dieses Projekt im Zusammenhang mit dem Konziljubiläum. Damals seien die Menschen nach Konstanz gekommen, um die dringendsten Fragen der damaligen Zeit zu lösen. „Mich interessiert jetzt vor allem: Was sind heute unsere größten Probleme? Und können wir etwas dazu beitragen, sie zu lösen?“, erläutert Dominik Böhringer seine Ursprungsidee. Das kam bei der Stadt so gut an, dass das Projekt vom Kulturbüro und der Konzilstadt Konstanz gefördert wurde. Tatsächlich birgt das Vorhaben großes Potenzial. Es rüttelt an zwei Grundfesten der Konstanzer Mentalität – der Vergangenheitsfixiertheit und der Zukunftsangst. „Ein Teil der Stadt will einfach beharrlich keine Veränderung zulassen. Mit dem Jubiläum haben wir jetzt die Gelegenheit zu zeigen, dass sie nicht in der Mehrheit sind und Konstanz immer noch eine großartige, innovative und visionäre Stadt ist“, ist Böhringer überzeugt. Damit plant er nicht weniger als eine Mentalitäts-Revolution von innen. Ein ambitioniertes Unterfangen.

Die Themen, die er in seinem Gesprächskreis bearbeiten will, hängen immer von den Menschen ab, die sich auf die Diskussion einlassen. Das können ganz persönliche Gedanken über das Leben sein, aber auch genauso sehr konkrete Konstanzer Themen. Zum Beispiel diese hier: Wo bleibt die Lebensqualität für Konstanzer, wenn immer mehr Touristen in die Stadt kommen? Wie könnte man das Verkehrsproblem der Stadt lösen? Und wie könnte die Kluft zwischen Arm und Reich in der Stadt wieder überbrückt werden?

Wir kommunizieren viel, reden selten

„Natürlich habe ich auch keine Patentlösungen in der Tasche. Aber das Problem ist doch oft, dass wir uns zu wenig Zeit nehmen, Visionen zu entwickeln. Wir verharren oft in alten Lösungen, dafür brauchen wir für neue Situationen doch auch neue Ansätze“, findet Böhringer. Und diese ließen sich nun mal am besten im Gespräch finden, ist er überzeugt. Wenn man Böhringer länger zuhört, dann klingt das manchmal nach irgendwas zwischen naiv und esoterisch. Da wird es einige Menschen geben, die skeptisch die Augenbraue hochziehen werden.Macht sich da einer lächerlich? Nein, denn mit seiner Grunddiagnose der Gesellschaft hat Böhringer ja durchaus recht: Wir kommunizieren zwar jeden Tag extrem viel, aber miteinander reden tun wir nur noch selten. Also, warum es nicht einfach mal anders probieren? Böhringers erste Erfahrungen sprechen dafür, dass reden helfen kann: „Das Langzeitprojekt bin ich“, sagt er bei einem zweiten Treffen einige Wochen nach der ersten Begegnung. Er merke jetzt schon, wie er sich durch die Gespräche verändere. Wenn es gut läuft, bleibt er nicht der Einzige.

Hier kann man den Künstler treffen

Im Rahmen seines Kunstprojekts „Hier und jetzt…“ stellt sich Dominik Böhringer in den kommenden Wochen mehrfach dem Gespräch mit Bekannten und Wildfremden. Den Künstler kann man auch buchen

Im Atelier: In Böhringers Atelier in der Wiesenstraße 10a finden die meisten Veranstaltungen statt. Zum Beispiel am Sonntag, 28. September, 11 Uhr. Dann spricht er mit der Künstlerin Rebecca Koellner über die Gewohnheit. Anlass dieses Gesprächs ist die Ausstellung „Über die Gewohnheit, nach Michel de Montaigne“, die Koellner ab dem 19. September in Böhringers Atelier zeigt. Zu sehen sind dort Fotografien, Baumbeschriftungen und Plakate. Am Sonntag, 5. Oktober, 11 Uhr, ist Karin Gürtner bei Böhringer zu Gast. Sie sprechen dann über den Schatten. Über die Kunst und ihren Wert für die Gesellschaft debattiert Böhringer am Sonntag, 19.Oktober, 11 Uhr. Eine erste kleine Bilanz zum Projekt gibt es am Samstag, 29. November, um 19 Uhr.

Auf offener Straße: Seit Mitte September kann man Böhringer an zwei Tagen die Woche auch im Café Eugens (Münzgasse 1) treffen. Meist montags 10:30 bis 12 Uhr und dienstags 16 bis 17:30 Uhr.

Oder bei Ihnen Zuhause: Dominik Böhringer und sein Projekt „Hier und jetzt…“ sind auch buchbar. Entweder per Telefon (0160) 97 56 76 48 oder E-Mail d.e.boehringer@gmail.com

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Musik und Bildende Kunst im Dialog

Südkurier, 03.Februar 2012, Reinhard Müller

Die Dreifaltigkeitskirche wird Schauplatz einer ungewöhnlichen Verbindung von Chorwerken mit einem Bildobjekt

Ein hoher Anspruch ist das: Chorwerke mit einem „Objekt“ der Bildenden Kunst sollen am 3. März bei der Veranstaltung „Kunst in der Citykirche“ in der Dreifaltigkeitskirche uraufgeführt werden: „Künstler im Dialog“ – besser: Künstler im Trialog werden die Werke aus der Taufe heben.

Um das wird es gehen: Die Berliner Komponistin Ruth Wiesenfeld, der Künstler Dominik Böhringer (seit 2009 in Konstanz) und der Konstanzer Dirigent Steffen Schreyer mit seinem Vokalensemble wollen in „Concentration“ auf einen Kreis hin ein Dialogkunstwerk entstehen lassen. Das Bildobjekt ist eine vorläufig graue Gipsschale, die mit Papier und langsam rostendem Eisen reagierend unvorhersehbare optische Strukturen erzeugen wird. Die Chorwerke gliedern sich in die Vertonung des 45. Psalms, eine melodisch gebundene Improvisation, wo konzentrische Kreise eines ins Wasser geworfenen Steins hörbar werden; schließlich ein Rilke-Zitat von fließender Zusammenballung.

Das Besondere daran: Unter Anwesenheit der Komponistin wurden die musikalischen Werke im Wolkensteinsaal und der Dreifaltigkeitskirche angeprobt. Zuhörer und Chor konnten die schon fertigen Kompositionen ausprobieren, mit der Komponistin über Gestaltung, Klanggebung und Auffassung diskutieren.

Dass die drei Kompositionen in logischer Entwicklung stehen, wurde deutlich: Zuerst die streng modern-tonal komponierte Motette „Schir Jedidot“ mit schwierigen Doppelrhythmen, Tonartrückung, Motivimitation, moderaten und forcierten Tempi; dann in „Ich hörte sagen“ die den Sängern gewährte Freiheit, mit vor-gegebenen kirchentonartlichen (phrygischen) Motiven im Konsens untereinander improvisierend umzugehen; am Ende dann fast völlige Freiheit: den Rilke-Text vom Zerfließen und Zusammenballen eines „Etwas“ aus einem Mono-Ton heraus in Clustern zu performen, den ganzen Kirchenraum durchschreitend.

Das war ein spannender Besuch in einer „Klangwerkstatt“. Im Konzert wird auch der improvisierte Anteil geglätteter erscheinen; das Produkt „Chorwerk“ wird neu glänzen, und man wird ihm die handwerkliche – oder darf man sagen: die mundwerkliche? – Vorarbeit an Ton, Motiv, Thema und Variation nicht mehr anmerken, aber der Gehalt der Komposition wird erahnt und meditativ erfasst werden können: Die kompositorische Fracht wird dem Hörer nicht wie im Beipackzettel aufgedröselt.

Ruth Wiesenfeld hat im A-cappella-Hochzeitspsalm „Schir Jedidot“ mit den hebräischen „Jofja fijta“-Rufen („Du bist schön“) ein eindrucksvolles Zeugnis einer neuzeitlichen Motette auf alten Gesetzen geschaffen. Mit „Ich hörte sagen“ ist ihr der Spagat zwischen exakt formulierter Melodie und deren Zersplitterung in Patterns immer weitere Kreise ziehender Wasserwellenringe gelungen, und in „…so ein Innen“ zieht sie sich schließlich aus ihrer Tonvorgabe zurück und überlässt dem aufgesplitteten Chor und der Raumwirkung ein „Feld der Möglichkeiten“.

Die Begegnung der beiden Kunstformen Musik und Bild wird erst in der Uraufführung wirksam werden können, aber Dominik Böhringer äußerte beim Hören des Chors seine begeisterte Überzeugung des Gelingens.

Zum Triumvirat Komponistin-Künstler-Dirigent kam als viertes Element der Chor. Die etwa 20 Damen und Herren des Vokalensembles leisteten in enormer stimmlicher Beweglichkeit mit Steffen Schreyer zusammen eine fast siebenstündige konzentrierte Arbeit an diesem Projekt, das nur mit geübtem musikalischem Hintergrund möglich erscheint. Möge sich die Dreifaltigkeitskirche zur Uraufführung füllen! Es sollte ein Sondererlebnis werden können.

Zum Artikel im Südkurier

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Raum für Andacht

Südkurier, 3.März 2012, Reinhard Müller

Dialog zwischen Kunst und Musik in der Dreifaltigkeitskirche

Die Ausstellung „Concentration“ in der Dreifaltigkeitskirche bietet alljährlich Raum für ein Kunstwerk eines zeitgenössischen Künstlers, das wiederum einen Dialog mit der Literatur und neuer Musik anregen möchte. Der Titel der Ausstellungsreihe ist zugleich eine der Leitlinien des Konstanzer Künstlers Dominik Böhringer, der für diesen Anlass ein neues Bild geschaffen hat. Um die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken, wird der Altarraum mit einem großen Tuch verhängt. Vor diesem schwebt gleichsam das Kunstwerk und begegnet zur Vernissage erstmalig dem eigens dafür komponierten Chorwerk

„Schir Jedidot – Freundschaftsgesang“ von Ruth Wiesenfeld (Berlin). Am heutigen Samstag, den 3. März, um 20 Uhr wird das Gesamtkunstwerk durch das Vokalensemble unter der Leitung von Münsterchordirektor Steffen Schreyer uraufgeführt.

„Raum für Andacht“ will Dominik Böhringer mit seinem runden, nach allen Seiten offenen Bild ermöglichen. Die täglichen Meditationen „Mitte(n) im Leben“ vom 4. bis 24. März (jeweils um 18 Uhr) eröffnen den Besuchern Gelegenheit zur Vertiefung. Vertiefung. Zum Abschluss der Ausstellung findet am Sonntag, 25. März, um 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Zum Artikel im Südkurier

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Dreifaltigkeitskirche - Kunst und Spiritualität

TV3, 24.Februar 2012, Roswita Bosch

Dreifaltigkeitskirche "Mitte(n) im Leben" - Kunst und Spiritualität

Spannende Begegnung zwischen zeitgenössischer Musik, Kunst und alter Kirche

Eröffnung und Uraufführung Dreifaltigkeitskirche am 3.03.2012 um 20.00 Uhr

Schon im Titel „ ‚ganz schön nass’, meinte das Eisen errötend“ wird deutlich: Es geht um eine Begegnung, die verändert.

Dominik Böhringer als bildender Künstler und Ruth Wiesenfeld als Komponistin wagen Neues. Der Altarraum wird verhüllt. Sie haben sich zusammen mit dem Vokalensemble unter der Leitung von Steffen Schreyer entschieden, dass in einer Uraufführung ihrer Werke eine Begegnung besonderer Art möglich wird. Diese Uraufführung fordert das Publikum heraus, lädt es ein, selbst Teil dieser Begegnung zu werden. Die Citypastoral Konstanz ermöglicht dieses Projekt im Rahmen der Reihe „Concentration“- zeitgenössische Kunst und Spiritualität.

Die musikalische Uraufführung von Ruth Wiesenfeld, die durch das Vokalensemble in der Leitung von Steffen Schreyer, hörbar wird, trifft auf das neu geschaffene Werk des bildenden Künstlers, das erst zu diesem Anlass erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wird. Beide Künstler wollen den Dialog, auch den Dialog mit dem Raum und in dem Raum der Kirche und mit dem Publikum. Zu diesem Anlass wird der ganze Altarraum verhüllt.

Das runde Bild von Dominik Böhringer öffnet sich für jeden Betrachter anders: „Durch das Rund grenzt es sich nicht ab, sondern breitet sich nach allen Seiten aus. So entsteht aus Vielfalt Einfalt und aus Einfalt Vielfalt und somit Raum für Andacht“. Sein Bild hat sich schon während des monatelangen

Entstehungsprozesses unterschiedlichen Begegnungen ausgesetzt. Jetzt wartet es auf die Begegnung mit der musikalischen Uraufführung, die die Komponistin Ruth Wiesenfeld eigens für diesen Anlass schuf und die durch das Vokalensemble unter der Leitung von Steffen Schreyer hörbar wird. Es wartet auch auf die Begegnungen mit dem Publikum in dem Raum einer alten Kirche.

Sie sind zu dieser Begegnung herzlich eingeladen.

Die Citypastoral Konstanz ermöglicht dieses Projekt im Rahmen der Reihe „Concentration“- zeitgenössische Kunst und Spiritualität.

Ort: Dreifaltigkeitskirche,
03. März 2012 um 20:00 Uhr
Ausstellungsdauer: bis zum 25. März,
täglich von 9:00-18:00 Uhr geöffnet

Weitere Information unter
www.citypastoral‐konstanz.de

www.dominikboehringer.de

Citypastoral Konstanz
Dreifaltigkeitskirche
Sigismundstr. 17
78462 Konstanz

Tel. 07531/2 39 52

info(at)citypastoral‐konstanz.de

Zum Artikel im TV3

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Dreifaltigkeitskirche in Konstanz

»Musik und Bildende Kunst im Trialog«

Ausstellung vom 3.03. bis 25.03.2012 in der Dreifaltigkeitskirche in Konstanz

Die Berliner Komponistin Ruth Wiesenfeld, der Künstler Dominik Böhringer und der Konstanzer Dirigent Steffen Schreyer mit seinem Vokalensemble wollen in „Concentration“ auf einen Kreis hin ein Dialogkunstwerk entstehen lassen.

Die Dreifaltigkeitskirche wird Schauplatz einer ungewöhnlichen Verbindung von Chorwerken mit einem Bildobjekt.

Ein hoher Anspruch ist das: Chorwerke mit einem „Objekt“ der Bildenden Kunst sollen am 3. März bei der Veranstaltung „Kunst in der Citykirche“ in der Dreifaltigkeitskirche uraufgeführt werden: „Künstler im Dialog“ – besser: Künstler im Trialog werden die Werke aus der Taufe heben …

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KONSTANZ: Liederabend und Ausstellung

REGION – TV3 Konstanz, 02.10.2010

KONSTANZ: Der Jahre Zeiten - Liederabend und Ausstellung

Liederabend von Wolfgang Schmitz Ausstellung mit Werken von Dominik Böhringer Dominik Böhringer lebt seit 18 Monaten in Konstanz. Sein Atelier im Bergischen Land war Anlaufstelle für  Künstlerfreunde aus aller Welt, aus Tokyo, China, Italien und New York. Kein Wunder, dass der Globetrotter italienisch, holländisch, französisch und englisch spricht; derzeit lernt er chinesisch, „das ist für mich wie Brain-Jogging“.

Seine erste Ausstellung im Konstanzer Atelier, einer umgebauten Werkstatt mit Milchglas-Oberlichtern und wunderbar diffusem Tageslicht, veranstaltete er mit seiner künstlerischen Weggefährtin, Christa Manz-Dewald – die zweite mit Young-Bae Kim, einem Koreaner, der ihm Nachbar und guter Freund ist. Zur dritten Ausstellung werden neue Werke gezeigt und Wolfgang Schmitz, Lehrer an der Regenbogenschule, wird den musikalischen Part beisteuern.

Dominik Böhringer kommt vom Theater. Dort hat er Masken gebaut, runde Fratzen in klassischem Weiß. Durch Weglassen von Nase, Mund und Augenöffnungen reduzierte er die Form auf das Wesentliche. In den jetzigen Bildern kann die Maske noch immer erahnt werden, auch die Herstellungstechnik ist ähnlich. Der Künstler klebt Papier mit verschiedenen Strukturen collageartig ineinander, vermengt geschredderte Papierflocken mit Eisenpulver, Lehm, Sand, Schiefer und verschiedenen Erden und befeuchtet die Schichten immer wieder mit Wasser. Das Bild entsteht selbsttätig von der Rückseite her – eine Metamorphose der besonderen Art.

Das fertige Werk wird mit Abstand zur Wand gehängt, es schwebt im Raum, „denn,“ so Dominik Böhringer, „eine Maske muss Körper haben.“ (ro)

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Runde Sachen

SÜDKURIER, Konstanz, 26.11.2009 

Die Konstanzer Kunstszene bekommt einen interessanten Neuzugang: Dominik Böhringer, bisher im Bergischen Land zuhause, öffnet am 27.,28. und 29. November erstmals sein Konstanzer Atelier in der Wiesenstraße und zeigt einige seiner Arbeiten. Es sind große runde Werke, die er schafft. Aus der Entfernung sehen sie schwer aus, tatsächlich sind sie leicht, bestehen sie doch zu einem Großteil aus Papiermasse. Böhringers Ausgangspunkt sind Masken. Kein Wunder, kommt er doch vom Theater. Im Laufe seines Schaffens hat er diese Masken immer weiter reduziert. So weit, „bis nur noch die runde Form übrig geblieben ist und die Haut mit ihren vielen feinen Poren, unterschiedlichen Farbpartien, Verdickungen und Verästelungen“, sagt Böhringer. Wir treffen ihn in seinem Garagenatelier in der Wiesenstraße. Er trägt eine senfgelbe Cordhose und einen dunkelbraunen Pullover. „Eigentlich kannte ich Konstanz nur von dem Spiel ‚Bodenseereise'“, sagt Böhringer. Jetzt ist er hier, vor allem weil seine Frau einen Job hier bekommen hat. Mit seiner ersten Ausstellung am Bodensee will er auf sich aufmerksam machen. Könnte gut sein, dass das gelingt.

Seine Arbeiten haben etwas Anziehendes. Sie tragen keine Namen und treiben ein interessantes Spiel mit dem Beobachter: Sie gaukeln ein Gewicht vor, das sie nicht haben und sie lassen gelegentlich Figürliches erkennen. Was man erkennt, das hängt wiederum stark davon ab, wie das Werk gehängt wurde. Böhringer arbeitet mit Gips, Papier, Eisenstaub und Eisenwolle. In einer Negativform bearbeitet er die Materialien und erkennt das entstehende Bild eigentlich erst im Nachhinein. In gewisser Weise leben seine Bilder auch nach der Herstellung fort. Korrosionsprozesse des Eisens verändern die Arbeiten immer mal wieder. „Das ist eine Art Metamorphose“, sagt der Künstler, das gehöre zur Kunstwerdung.

Bisweilen sehen Böhringers Arbeiten aus wie Planetenoberflächen, über die gerade ein eisiger Wind huscht, Aufnahmen der Erde aus dem Weltall oder Riesenpilze, die von oben fotografiert wurden. Man kann in diesen Bildern viel erkennen oder sich auch einfach nur an dem Spiel von Schein und Sein erfreuen. Ein interessanter Auftakt eines neuen Künstlers in der Stadt. Man darf gespannt sein, was da noch so kommt von Dominik Böhringer aus der Wiesenstraße 10A. (lün)

Termin: Die Ausstellung „Zeichen in Auflösung“ von Dominik Böhringer und Christa Manz-Dewald ist am 27./28. und 29. November geöffnet. Vernissage am 27. November um 19 Uhr, Samstag, 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 14 Uhr

Zum Artikel im Südkurier

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Abschieds-Ausstellung

Kölner Stadt Anzeiger 2.Dezember 2008, Ingrid Bäumer

Kunst mit dem Zufallsfaktor

„Tun und Lassen“: Nach 18 Jahren im Bergischen zeigt der Kürtener Künstler Dominik Böhringer bei den „artgenossen“ seine Abschieds-Ausstellung.

LINDLAR

Er tut es wirklich: Dominik Böhringer zieht ins Süddeutsche. „Das ist wie ein Neustart, wie noch mal jung sein“, schwärmt der Kürtener, Jahrgang 1957. Ein großes Atelier hat er schon in Konstanz am Bodensee. Seine vorerst letzte Ausstellung in hiesigen Breiten zeigt Böhringer jetzt im Lindlarer „Landart Hotel und Restaurant artgenossen“. Zum Abschiedsessen hatte er Leute eingeladen, die ihn in seinem Leben als bildender Künstler begleitet haben. Und das waren eine Menge - das Restaurant platzte aus allen Nähten, ohne Vorbestellung kaum noch was zu machen.

Die Köche bereiteten Gerichte aus Böhringers Leben zu - was, wie der schelmisch erklärte, meistens Gerichte seiner jeweiligen „Liebsten“ seien: Eine köstliche Sauerampfersuppe, eine italienische Vorspeise namens „Pinzimonio“ (lange Gemüse- und Salatstreifen, die man in Öl-Essig-Dip taucht), Rote-Beete-Gratin, Rinderbraten. Nicht zu vergessen der Nachtisch, mit dem Böhringers jetzige Lebensgefährtin sein Herz gewann: gefrorene Himbeeren unter Joghurt-Sahnesauce.

Tun und lassen - dass der gebürtige Düsseldorfer, der vor 18 Jahren ins Bergische Land zog, im Leben faul gewesen wäre, muss er sich nicht vorwerfen lassen. Doch erst über das Theater, die Auseinandersetzung mit Masken, fand er zur bildenden Kunst. Vorher war er Theaterdozent mit Gaststelle in Bologna, Artist in Amsterdam und wäre in den USA beinahe professioneller Tänzer geworden.

Bei den „artgenossen“ ist Böhringer mehr als gern gesehener Gast, hat er doch bei der Renovierung des alten Schulgebäudes im Jahr 2002 eines der 14 Hotelzimmer gestaltet (Zimmer Nr. 8). Hier probierte er eine Technik aus, die auch in seinen Bildern auftauchte, ritzte Eisenpartikel in den feuchten Gips. Dies Material arbeitet nach, es rostet mit der Zeit.

Auch bei den meist runden Papierbildern spielt der Faktor Zufall eine Rolle: Erst kommen die Farb- und Metallpigmente zusammen mit dem feuchten Trägermaterial in eine Form, dann lässt Böhringer diese Zusammenstellung einige Tage ziehen. Das Ergebnis: leicht gewölbte Scheiben, drauf dunkle Schlieren, Risse, Krusten - Formen, die das Auge reizen und die Fantasie anregen.

Viele Projekte und Ideen also für ein Künstlerleben. Doch manches muss man auch lassen können, philosophiert Böhringer: „Meine Bilder sind so still und meditativ - dabei rannte ich immer hektisch zwischen Werkstatt und Familie hin und her.“ Eine einfache Erkenntnis dämmerte erst vor fünf Jahren: „Ich tue, also bin ich - ich lasse und bin immer noch.“

Wird der Umzug auch ein künstlerischer Neuaufbruch? „Das weiß ich noch nicht“, räumt Böhringer ein. Gerade das sei ja das Schöne daran: „Niemand hat Erwartungen an mich. Ich kann Neues machen oder Altes, ohne dass es ein Problem ist.“

Im Kürtener Künstlerverein „K 44“, der nach wie vor auf der Suche nach einem neuen Domizil ist, bleibt er Mitglied, hat aber die Position als zweiter Vorsitzender zur Verfügung gestellt. Das Privathaus in Biesfeld ist (noch?) nicht verkauft, für ein paar Monate wird es zwischendurch immer wieder Anlaufstelle.

So lange „lässt“ Böhringer noch einen Koffer in Biesfeld. Die Ausstellung „Tun und lassen“ von Dominik Böhringer im Landart Hotel und Restaurant artgenossen (Pollerhofstraße 35, Lindlar) ist noch bis zum 29. Januar zu sehen.

 

 

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"Stille", Köln, 1997

 

Kölner Stadt Anzeiger,7. Mai 1997

Stille
Böhringer im Lutherturm
Laut tönen die Kirchenglocken des Lutherturms in die Südstadt hinein. Wenn sie wieder verklungen sind, wird für einen Augenblick Stille hörbar. Diese Stille ist auch in der Kunst von Dominik Böhringer, ausgestellt ebendort... weiter


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Köln, Lutherturm, 1997

Kölner Stadt Anzeiger, 7. Mai 1997

Dominik Böhringer im Lutherturm

Laut tönen die Kirchenglocken des Lutherturms in die Südstadt hinein. Wenn sie wieder verklungen sind, wird für einen Augenblick Stille hörbar. Diese Stille ist auch in der Kunst von Dominik Böhringer, ausgestellt ebendort: leicht gewölbte Rundformen, Kreise oder Erdscheiben, Masken oder Schilder, aus vielen dünnen Papierhäuten geschichtet und gepresst, von sanfter, erdiger Farbigkeit. Stille- hörbar und sichtbar zugleich.

Rostspuren prägen die papiernen Bildobjekte – als satte Kruste oder als vergänglicher Hauch. Wie Gleichnisse von der Schönheit der Erde sind die runden Scheiben, gezeichnet von der Struktur spannungsreicher Landschaften und Materialprozesse und unter dem Zeichen fortwährender Verwandlungen. Farbliche Nuancen machen die Zerbrechlichkeit aller Oberflächen sichtbar. Und Risse deuten unbekannte Tiefen an.

Das Geheimnis des Lebens ruht in aller Stille, und die größte Faszination besteht darin, dass trotz vieler Brüche und Zerreißproben die Kreise in der Form bleiben, in einem Gleichgewicht – wie die Erde und wie der Lauf der Zeiten. Der Blick läuft gleichsam rund. Das Runde gilt dabei als die natürlichste Form: Symbol der Ganzheit, Zeichen der Zeitlosigkeit ohne Anfang und Ende, Sinnbild für das in sich geschlossene. In seiner Gestalt erscheinen Dynamik, endlose Bewegung und Ruhe als ein und dasselbe. (JK)

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"Antworten ohne Worte", Düsseldorf, 1995

Rheinische Post Dienstag, 14. November 1995

Dominik Böhringer auf Gut Nothenhof: Antworten ohne Worte

Alle Fachwerkbauten um den Innenhof von Gut Nothenhof (Bergische Landstraße 509) passend zu wahrhaft einer Ausstellung, deren Spuren sich in die Erinnerung eindrücken. Erstmals in seiner Heimatstadt stellt dort Dominik Böhringer (geboren 1957 in Düsseldorf) seine frei in den Räumen aufgehängten Objekte vor, »Kreise« nennt er sie alle. Es sind mehr oder weniger gewölbte Kreisscheiben, deren materielle Substanz von ungewöhnlicher Herkunft scheint.

Keine Frage, es sind Werke, die aus der Stille kommen, die Stille und Gelassenheit sozusagen ein- und auszuatmen scheinen. Wie Fragen hängen sie im Raum, aber auch wie Antworten ohne Worte. »Das Modellieren ist für mich Meditation«, sagt der junge Künstler. Das war es schon, als er nach dem Studium an der Scuola Teatro Dimitri in der Schweiz, in Amsterdam, von 1981 bis 1987 in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Tanz- und Theatergruppen Masken schuf, die sich verselbständigten und in Ausstellungen gezeigt wurden. Seit 1987 hat er ein Atelier in Köln.

Aus der Maske also haben sich Böhringers schwebende »Kreis«-Objekte entwickelt. Doch sie erschien ihm bald zu konkret. Er wollte diese Maske immer mehr reduzieren. Auch die Farben, mit denen ihre Oberfläche bemalt oder mit Papierschnitzeln beklebt wurden, ließ er nun weg. »Um die Haut zu zeigen, die die Spuren des Lebens trägt. Der Farbauftrag der Maske erschien mir wie ein Make-up, das sie verdeckte sagt er. Seine »Kreis«-Objekte bestehen aus Papiermaché: Schichten von ineinandergeklebten Papieren unterschiedlicher Struktur. Er arbeitet spiegelverkehrt. Zuerst wild ein Gipsmodell gemacht. So wächst aus mit Leinen getränktem Papier gleichsam von innen nach außen, Schicht um Schicht. Der Trocknungsprozeß dauert drei bis vier Monate. In dieser Zeit arbeitet das Material selber. Es verfärbt sich in tonigen Flecken, blättert ab, bekommt Löcher; es entstehen graue und helle Partien, Geäderts, Prickelndes, eben jene »Lebensstrukturen«, die das Material hervorbringt.

In das Papier angearbeiteter Eisenstaub oder Stahlwolle erzeugen Rostflecken und -strukturen, die durch die Papierschichten durchwachsen. Je länger der Prozeß in dem der Feuchtigkeit ausgesetzten Papier dauert, desto mehr verändert sich dieses. In einigen Arbeiten hat der Künstler als einzige Farbe Ultramarinblau-Pigmente verwandt, weil sie Raum und Tiefe suggerieren.
Die sehr malerisch wirkenden »Lebensspuren« in den teils kleinen bis sehr großen gewölbten Kreisscheiben lassen Ahnungen von unendlichem Wachstum aufkommen. Sie tippen an, was in ihren »Vorgängern«, den Masken, beschworen wird: das eigentlich Ungreifbare. (Die Ausstellung ist bis zum 18. November, Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

YVONNE FRIEDRICHS

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Gnadenkirche, Berg.Gladbach, 1994

Kölner Rundschau, Donnerstag/Freitag 2./3. Juni 1994

Neue Spektakuläre Aktivitäten aus der Reihe »Festival Kunstplätze« - Drei Künstler stellen aus.
Kunst in Kirche: Altar und Kanzlei weiß verhüllt

Bergisch Gladbach. »Was kann ich machen, damit die Kirche es zuläßt, in ihr Kunst auszustellen?« Das war die Frage, mit der sich der in Kürten-Biesfeld lebende Künstler Dominik Böhringer bei der Vorbereitung zu seiner Ausstellung in der Gnadenkirche konfrontiert sah.
Er löste dieses Problem sehr elegant: Kurzerhand verhüllt er die kirchentypischen Elemente Altar, Kanzel und Kirchenfenster mit großen, schneeweißen Leinentüchern, um so Freiräume für seine Kunst zu schaffen. ...

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Schweben in der Stille, 1992

Kölner Stadt Anzeiger Freitag 28. August 1992

Schweben in der Stille
Dominik Böhringer stellt im Kölner Kunstgarten aus.

Ein Ort der Stille entsteht allmählich und plötzlich, und in einem überraschenden Moment erkennt man, daß beides sich nicht einmal ausschließt. Mit einem Mal ist die Stille da, während der Blick auf einem der Bildobjekte von Dominik Böhringer ruht und der Klang eines fallenden Wassertropfens (aus einer im Raum angebrachten Klang-Apparatur) das Ohr sanft berührt. Dominik Böhringer hat aus dem Kunstgarten einen meditativen Garten gemacht. Seine schwebenden, aus vielen dünnen Papierhäuten geformten, leicht zur Mitte hin gewölbten Scheiben vermitteln in unerwarteter Schlichtheit ein Gefühl der Besänftigung, und sie erzählen darin vom Gewicht der Welt.

Rost ist das verbindende Thema aller Stücke. Jedes der papierenen Bildobjekte ist von einer mehr oder weniger deutlichen Rostspur geprägt: gewalttätig und zart, in flüchtigen Spritzern und wie Schwaden zerstäubenden Rauches, wie Schlieren von geronnenem Blut und wie Schichten unter der Erde. Rost als satte Kruste und als vergänglicher Hauch. Die runden Bildscheiben sind wie Gleichnisse von der Schönheit der Erde, gezeichnet von der Struktur geheimnisvoller Landschaften und unter dem Zeichen fortwährender Verwandlung.

Böhringers Bildobjekte lassen Tiefe in einem »Riß« und die Zerbrechlichkeit aller Oberflächen in einem Übergang farblicher Nuancen entdecken. Die organischen Prozesse der Natur sind die Freunde des Künstlers. So ist es der Herbst, auf den man in dieser Ausstellung bereits am Ende des Sommers stößt. Und darüber hinaus kann man die runden Bildobjekte drehen wie man will; sie bleiben immer in der Form, im Gleichgewicht, wie die Erde und wie der Lauf der Zeiten. (jk)

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Papierene Kreise im Tao-Studio, 1991

Kölner Stadt Anzeiger, 9. Juli 1991

Papierene Kreise im Tao-Studio

Gegensätze und Risse bestimmen das Gesicht der Welt, aber auch eine immer wieder auszumachende paradoxe Harmonie. Harmonie ist dabei ein zerbrechlicher Zustand, in dem es gelingt, das Disparate für einen Augenblick in ein Gleichgewicht zu bringen: geheimnisvoll, schwebend, in unerwarteter Einfachheit.


Nichts anderes führt Dominik Böhringer in eilner Reihe fragiler Kunstwerke vor, die, aus vielen dünnen Papierhäuten geformt und geschichtet, runde, leicht gewölbte Scheiben darstellen. Es sind Kreise oder Weltkugeln, Schilder oder Masken. In der Mitte oder am Rand erhebt sich jeweils ein dunkleres (Kraft-) Feld, von dem aus sich alle weiteren Spuren ergeben. Oder ist es nicht genau umgekehrt? Die faserige Struktur vieler kleiner Linien verliert sich in einer namenlosen Tiefe. Die Betrachtung der Bildobjekte Dominik Böhringers wird zur meditativen Besinnung über das Gewicht des Lebens.

Das Papier der geklebten Collagen schafft ein Gefühl von besänftigender Stille, in dem die Einzelheiten jeder Farb- und Liniennuance auf dem Objekt und die Stimmigkeit aller Kunstwerke im gesamten Umraum des Ausstellungsstudios zu einer fortlaufenden unaufdringlichen Entdeckungsreise werden. (Tao-Studio, Lindenstr. 82) j.k.

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